QUANT 2: Materialien und Daten
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Qualitative Forschung arbeitet häufig mit sensiblen Daten — Interviews, Beobachtungsprotokolle, Dokumente, audiovisuelle Materialien. Das Teilen dieser Materialien erfordert sorgfältige Abwägungen zwischen Offenheit, Datenschutz und Forschungsethik.
Offene Materialien
Viele Materialien qualitativer Forschung lassen sich ohne Einschränkungen offen teilen: Interviewleitfäden, Codebücher, Analysememos, Kategoriensysteme, synthetisierte Ergebnistabellen. Diese sollten standardmäßig auf einem dauerhaften Repository (z. B. OSF, Zenodo) mit DOI und einer offenen Lizenz (bevorzugt CC BY 4.0) veröffentlicht werden.
Offenheit dort, wo möglich — Schutz dort, wo nötig. Nicht alle Daten müssen geteilt werden; aber die Entscheidung sollte explizit, begründet und dokumentiert sein.
Offene Daten und Anonymisierung
Primäre Interviewdaten, Transkripte oder Feldnotizen können in vielen Fällen nach Anonymisierung geteilt werden. Dabei sind mehrere Ebenen zu berücksichtigen:
- Direkte Identifikatoren (Namen, Orte, Institutionen) werden ersetzt oder entfernt
- Indirekte Identifikatoren (Kombination von Merkmalen, die zur Identifikation führen könnten) werden geprüft
- Der Grad der Anonymisierung ist im Begleitdokument transparent zu beschreiben
Für besonders sensible Daten (z. B. aus vulnerablen Gruppen, klinischen Kontexten oder bei Gefährdungsrisiko) kann eine kontrollierte Datenweitergabe (z. B. über ein Data Use Agreement) oder eine vollständige Nicht-Veröffentlichung gerechtfertigt sein — dies ist dann ebenso offen zu kommunizieren.
Das Forschungsdatenzentrum Qualitative Daten (FDZ-QD) der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften sowie das GESIS-Datenarchiv bieten spezialisierte Infrastruktur für die Archivierung qualitativer Daten unter kontrollierten Zugangsbedingungen.
FAIR-Prinzipien in der qualitativen Forschung
Die FAIR-Prinzipien (Findable, Accessible, Interoperable, Reusable) wurden für Forschungsdaten aller Art entwickelt und lassen sich auch auf qualitative Materialien anwenden — mit Anpassungen:
| Prinzip | Bedeutung für qualitative Daten |
|---|---|
| Findable | Persistenter Identifier (DOI), standardisierte Metadaten |
| Accessible | Klare Zugangsbedingungen, auch bei eingeschränktem Zugang |
| Interoperable | Offene Dateiformate (TXT, PDF/A statt proprietäre Formate) |
| Reusable | Lizenz, Kontextdokumentation, Reflexivitätsmemos |
CARE-Prinzipien
Für Forschung mit und über indigene Gemeinschaften, marginalisierte Gruppen oder in postkolonialen Kontexten sind die CARE-Prinzipien (Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility, Ethics) zentral. Sie ergänzen FAIR um eine machtbewusste, gemeinschaftsorientierte Perspektive auf Datensouveränität.
CARE bedeutet konkret: Betroffene Gemeinschaften haben ein Mitspracherecht darüber, wie ihre Daten genutzt, veröffentlicht und weitergegeben werden — unabhängig von rein rechtlichen Anforderungen.
Weiterführende Informationen: Global Indigenous Data Alliance – CARE Principles